Kaugummiautomaten

Anfangs dachte ich, das ist eine ganz besondere, ausgefallene Story, doch ein Blick ins Internet zeigte mir, dass sich schon einige mit dem Thema „Kaugummiautomaten“ befasst haben. In Odernheim habe ich mal gerade zwei Automaten im Dreier- bzw. Viererpack entdecken können. Sie hängen dort schon seit ewigen Zeiten: Auf dem Kirchweg/Ecke Staudernheimer Str. und Hinterruthen auf Höhe des „Pädchens“. Da die Kinder die Zielklientel stellen, findet man die Automaten strategisch günstig gelegen auf dem Nachhauseweg und auf Augenhöhe der Grundschulkinder.

Das Kaugummi selbst scheint so alt wie die Menschheit selbst zu sein. Aus archäologischen Funden ist bekannt, dass in der Steinzeit bestimmte Baumharze gekaut wurden. (Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Kaugummi) Von den alten Griechen weiß man, dass sie das Harz des Mastixbaums verwendeten und nordamerikanische Indianer kauten das Harz von Fichten.

Noch in den sechziger Jahren gab es an den Automaten ausschließlich Kaugummis zu ziehen. Kugelrund, mit einer ordentlichen Zuckerguss-Ummantelung. Haltbarkeit mindestens zwei Jahre, entsprechend hart für den ersten Biss. Die industriell produzierten Kaugummis kamen natürlich aus Amerika. Den Namen des erfolgreichsten Unternehmers in Sachen Kaugummi kennt man noch: Mr. William Wrigley jr. , der gegen Ende des 19. Jahrhunderts sein bekanntes Spearmint entwickelte. Nach dem 2. Weltkrieg machten die in West-Deutschland stationierten amerikanischen Soldaten das Kaugummi populär.

Kaugummis für 20 Cent gibt es zwar immer noch, aber attraktiver sind die in Plastikeier verpackten Gimmicks, Slimies, Plastikringe, Bauchketten u. ä. m. Bis zu 1 € kann man in der Regel investieren. Rein mechanisch, nachvollziehbar, ohne Piepen und Knopfdruck, steckt man das Geldstück in den Schlitz und dreht einen robusten Plastikgriff nach rechts, bis das Überraschungsei den Behälter über eine kleine Schütte verlässt. Das Tauschgeschäft – Centstück gegen Ware –  ist perfekt. Für die Kinder, die  hier häufig ihre ersten Geldtransaktionen tätigen, ist das äußerst faszinierend. Selbst der Geschäftsführer des Verbandes der Automatenfachaufsteller sieht den pädagogischen Wert seiner Automaten im Vordergrund, denn für 10 bis 100 € im Jahr lohnt sich der Aufwand eigentlich nicht, zumal viele Automaten dem Vandalismus zum Opfer fallen und zusätzliche Kosten verursachen. https://www.youtube.com/watch?v=mbK2IvMpJFA. Wie Dominik Drutschmann auf Zeit-online berichtet, https://www.zeit.de/gesellschaft/2021-08/kaugummi-automaten-kindheit-erinnerung-generationen verleitet der Automat natürlich dazu, den Mechanismus überlisten zu wollen. So gab es mal spanische Münzen, die in der Mitte ein Loch hatten, durch das man einen dünnen Bindfaden ziehen konnte. Der Trick, die Münze nach vollendetem Geschäft zurück zu holen, hat eigentlich nie funktioniert und Drutschmann meint, der Kaugummiautomat hätte ihn gelehrt, dass Diebstahl sich nicht lohnt.

Unter diesen Aspekten, hätte Odernheim eigentlich ein paar weitere Kaugummiautomaten verdient.

Odernheim, deine Bäume

Die zwei Robinien, im vergangenen Jahr  -zur Komplettierung der Deutschen Alleenstraße-  gepflanzt, sind dank der ausgiebigen Regenfälle gut angegangen, genauso wie die 12 Purpurerlen, die ebenfalls die Staudernheimer Straße säumen.

Hoffnungslos scheint es um einen neuen Einheitsbaum am Kriegerdenkmal in der Bahnhofstraße bestellt zu sein. Der ehemalige Standort einer Einheitslinde, die 2020 einer schweren Krankheit erlag, ist sauber eingeebnet und zur Rasenfläche verkommen. Die verwitterte Hinweistafel kündet nur noch schwach von der einstigen Euphorie, die die Wiedervereinigung Deutschlands auslöste. Besteht in der Ortsgemeinde überhaupt noch Interesse an einem Denkmal? War doch eigentlich eine ganz schöne Idee, einen Baum von dem historischen Ereignis künden zu lassen? Oder heißt es im Ortsgemeinderat: „Lasst es uns einfach vergessen. Ossi bleibt eh Ossi. Die Wiedervereinigung hat uns eh nur Geld gekostet und so ein Baum macht nur Dreck“ ????  Ich kann´s mir eigentlich nicht vorstellen, aber ich finde der Ortsgemeinderat sollte mal Stellung beziehen.

Das Thema Bäume wird Odernheim auch wieder verstärkt beschäftigen, wenn die neue Kita am Ortsausgang gebaut wird. Das bestehende Kita-Gelände wird dann frei. Auf dem ehemaligen Friedhof, der ja traditionell bei der Kirche lag, haben sich prächtige Laubbäume (vorherrschend Ahornarten) entfalten können. Hier hat bis heute die Kita „Lilliput“  ihr Spielgelände. Vor allem in den zuletzt heißen Sommern boten die dicht belaubten Kronen kühlenden Schatten und sorgten im Herbst für Beschäftigung der Kinder, wenn diese mit Schubkarren und Laubbesen die Blätter auftürmen konnten.

Aus der Google-Earth Vogelperspektive kann man sehen, wie raumfüllend die Bäume rund um Kirche und Kita das Odernheimer Ortsbild prägen.

Doch was passiert mit dem Baumbestand, wenn die Kita umzieht?

 „They paved paradise, put up a parking lot“ (Sie haben das Paradies gepflastert und einen Parkplatz daraus gemacht …) sang Joni Mitchell 1970 heiter ironisch in ihrem Lied „Big yellow taxi“.  Muss man so etwas befürchten? Weiter heißt es im Text: Sie nahmen alle Bäume, steckten sie in ein Baummuseum und nahmen 1,50 $  Eintritt, nur um sie anschauen zu können). https://www.youtube.com/watch?v=u8MU3j_GrpQ    Sehr schön ist auch die relativ neue Coverversion von der Gruppe „Counting Crows“ https://www.youtube.com/watch?v=tvtJPs8IDgU

Es wird noch ein bisschen dauern, bis darüber entschieden wird, aber wenn man sich für den Erhalt der ehrwürdigen Bäume stark machen will, lohnt es schon jetzt sich darum zu kümmern.

Welcher Bildungsbegriff?

Aus: „Künstlerische Körperschulung“ Hrsg. Ludwig Pallat 1925

Es geht auf den Wahlkampf zu, und wie immer stürzen sich die politischen Parteien auf das Thema „Bildung“. Überzeugende und nachhaltige Veränderungen des starren Systems `Schule´ sind dabei selten zustande gekommen.

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Joe Weingarten besuchte vergangene Woche eine Kita in Hochstetten-Dhaun (Öffentlicher Anzeiger vom 31.07.2021). Unter anderem sagte er, dass es gute Argumente gäbe, Kitas zu Bildungseinrichtungen zu machen. Kindergärten und Kitas waren das eigentlich schon immer und Rheinland-Pfalz ist eines der wenigen Bundesländer, das die Kitas dem Bildungsministerium unterstellt hat. Welcher Bildungsbegriff liegt also hier bei Joe Weingarten zugrunde? Zusätzlich spricht er davon, dass die Idee, Kinder möglichst alle auf Grundschulniveau zu bringen, keiner in Abrede stelle. Ich habe die Befürchtung, er meint damit, dass die Kinder vor ihrer Einschulung schon das Alphabet aufsagen können, erste Grundrechnungsarten beherrschen und möglicherweise einen PC bedienen können. Leider wäre Joe Weingarten mit dieser Vorstellung nicht allein, und gerade deshalb sehe ich mich als Erzieher veranlasst, meine Sicht der Dinge kund zu tun:

Das allerwichtigste Bildungsziel in den Kitas ist es den Kindern zu ermöglichen, einen Platz in einer Gemeinschaft zu finden. In ihrer jeweiligen Gruppe haben die Kinder Gelegenheit sich auszuprobieren und zu sozialisieren.  Wichtige Werte, Rituale, Sitten und Gebräuche können sie in der Zeit kennenlernen. Wenn sie bis zum Abschluss der Kita-Zeit in der Lage sind Freundschaften zu schließen, Geborgenheit in einer Gruppe zu finden, Freude am kreativen Umgang mit unterschiedlichen Materialien, mit Bewegung und Gesang erfahren haben und sich eine Neugier auf die Welt, von mir aus auch auf Buchstaben und Zahlen bewahrt haben, dann hat die jeweilige Kita ganze Arbeit geleistet und ist ihrem Bildungsauftrag gerecht geworden. Dies sind alles keine selbstverständlichen Dinge, die ein Kind ohne weiteres auch zu Hause erlernen würde. Unser gesellschaftliches Leben hat sich so entwickelt, dass viele Eltern (Alleinerziehende) neben der Aufgabe Geld zu verdienen, eher wenig Zeit für ihre Kinder haben. Gelegenheiten für die Kinder mit Gleichaltrigen draußen zu spielen, sind häufig sehr eingeschränkt oder werden eher selten genutzt. Bewegung und das Entwickeln eines breit gefächerten Bewegungsrepertoires kommt – auch durch die medialen Einflüsse – häufig zu kurz. Wer singt (u.a. elementar für die Sprachbildung) noch zu Hause?

Allerdings ist mit diesen kurz skizzierten Voraussetzungen immer noch nicht gewährleistet, dass sie als Grundschulkinder in der Lage sind im 45-Minutenrhythmus geduldig auf einem Stuhl zu sitzen, um konzentriert einer Lehrkraft zu lauschen.

Ein Vorschlag des Professor Dr. med. K. E. Ranke zu dieser Thematik zitiere ich hiermit aus seinem Buch von 1925 „Tägliche Schulfreiübungen!“:

 „Was wir brauchen, ist die „freie“ Betätigung, die selbstgewählte Bewegung nach dem augenblicklichen inneren Drang, ausgelöst durch den eigenen Entschluss, ein wirkliches „freies Spiel aller Kräfte“. Initiative, Mut Entschlossenheit und Beharrlichkeit müssen sich entwickeln können. Sie entwickeln sich niemals bei einem Kind, das den ganzen Tag unter Zwang einer vorgeschriebenen, niemals selbstgewählten Betätigung steht und ihre Entwicklung muss Schaden leiden, wenn aufgezwungene Beschäftigungen, seien sie geistiger oder körperlicher Natur einen zu großen Teil des Tages in Anspruch nehmen.“

Sommerloch 21

„Was macht das Pferd im Glan?“, …

… frage ich mich jeden morgen, wenn ich mit Blick zum Wehr, an der Bannmühle vorbeiradel. Am Nachmittag ist es immer verschwunden. Oder ist eher so eine Art Ungeheuer von Loch Ness?

Sommerferien

Ein Mallorca-Gedicht

An der Strandpromenade

aß ich einen Kartoffelauflauf

und schaute aufs blaue Meer.

´Cindy und Bert` sangen ihren Hit

„Spaniens Gitarren“ .

Eine Frau aus Sachsen fragte uns,

ob das Essen geschmeckt habe.

„Ja!“

Autorin unbekannt

Probleme des Alltags 5

Der Sommer bringt einiges mit sich: schwül warme Temperaturen, die einen durch den Alltag schleppen lassen, explodierendes Grün im Vorgarten oder nervende Fliegen, die sich in den Wohnräumen tummeln. Der zivilisierte Mensch ergreift natürlich (eigentlich unnatürlich) sofort zu Gegenmaßnahmen, vor allem was die Fliegen betrifft.

  • Die bekannteste Methode ist sicherlich der Klassiker: die Fliegenklatsche. Die löchrige Struktur der Klatsche und die peitschenartige Bewegung lässt keine Druckwelle entstehen, so dass die Fliegen nicht rechtzeitig vorgewarnt werden. Entsprechend erbarmungslos und im wahrsten Sinne des Wortes schlagartig, bedeutet dies den Tod.
  • Dann gibt es die etwas aus der Mode gekommenen Fliegenstrips: Bänder, die mit einer honigartigen Masse bestrichen sind, auf der die unliebsamen Gäste kleben bleiben. Wenn man sich in die Lage der Fliege hineinversetzt, ein qualvolles  Ende. Und dekorativ sind die Fallen sicherlich auch nicht.
  • Möglicherweise weniger quälend, aber auch nicht zu empfehlen: Durchsichtige, kaum wahrnehmbare, kleine Folien, die ein chemisches Gift für die, zu den Fenstern strebenden, Insekten bereit halten. Irgendwann liegen sie auf der Fensterbank mit den Beinchen nach oben und geben keinen Mucks mehr von sich. Eine nur scheinbar elegante Lösung. Am besten finden die Fliegen selbst einen Ausweg:

„Ich glaube, wir müssen nicht dem Licht folgen, sondern dem Luftzug“, sagte eine, vor gar nicht langer Zeit, geschlüpfte Fliege. „Hab du erst mal so viel Erfahrung wie ich“, antwortete der alte Brummer und flog zum 20. Mal gegen die Fensterscheibe.

Autorin unbekannt

  • Für diejenigen, die keiner Fliege etwas zuleide tun können, gibt es eine weitere Alternative: Man nehme ein leeres Marmeladenglas und dazu eine Postkarte. Man sollte nicht darauf setzen die Fliege mit Geschwindigkeit zu überlisten. Hier ist die Fliege haushoch überlegen, im Gegenteil, die Entdeckung der Langsamkeit kommt hier zum Tragen. Nervige, bunt schillernde Schmeißfliegen erfordern mehr Geduld als die Stubenfliegen, aber letztlich kann man sie alle bekommen. Man stülpt ganz ruhig und zeitlupenartig das Marmeladenglas über das panische, rat- und rastlose Geschöpf, schiebt die Postkarte unter, trägt die leicht irritierte Fliege nach draußen und entlässt sie in eine wieder gewonnene Freiheit. Ich tue dies mit einem guten Gefühl: Habe ich nicht Leben geschenkt und das Insektensterben aufgehalten? Darüber hinaus kann diese Betätigung einen willkommenen Kontrapunkt zum hektischen Arbeitsalltag bieten und den Zeitpunkt eines Burn-outs hinausschieben. Allerdings kann sie auch einen gewissen Suchtcharakter entfalten. Mit Mücken dagegen verhält es sich möglicherweise ganz anders:

Merkwürdig, ich, der ich es nicht über mich bringe, eine Spinne zu töten, und es immer entsetzlich fand, wenn ich im Haus etwas reparierte, und eine kroch selbstmörderisch in die nasse Farbe hinein, habe kein Herz für Mücken, obwohl sie alle angehende Mütter sind und ein Tröpfchen Blut suchen, um ihre Nachkommenschaft zu nähren.“

John Updike

Die Fußball – EM

Ich war mal ein Fußballfan und 1967, als Eintracht Braunschweig Deutscher Meister wurde, erklärte ich sie zu meiner Lieblingsmannschaft. Über mein Sammelalbum hatte ich die Adresse des Fußballvereins  und richtete darüber meine Autogrammwünsche an die Spieler. Ich war damals 12 Jahre und fühlte mich enorm wertgeschätzt, wenn ich Post bekam und damals noch handsignierte Schwarz-Weiß-Fotos den Briefkuverts entnehmen konnte. In feinem Anzug mit gestärktem Hemdkragen posierten manche Spieler im Studio eines Fotografen.

Mein Vorbild allerdings gehörte nicht der Braunschweiger Mannschaft an, das war eindeutig Radi Radenkovic, Torhüter von 1860 München. Radi zierte auch den Umschlag meines Sammelalbums. Natürlich war ich an Fastnacht entsprechend verkleidet. Ich bewunderte ihn, wegen seiner Ausflüge außerhalb des 16m-Raums, auch wenn er es manchmal übertrieb und sich auf freche Dribblings einließ. In seinem Schlagererfolg „Bin i Radi, bin i König“ – er konnte ganz passabel singen –  hieß es: „Was die andern Leute sagen, ist mir gleich, gleich, gleich.“ und das imponierte mir.

Aber eigentlich bin ich jetzt durch meine Begeisterung aus Kindertagen von meinem Thema abgekommen, denn heute bin ich schon länger kein Fan des Fußballs mehr. Sukzessive hat mein Interesse am Fußball abgenommen. Und wenn ich mir die Spiele der derzeitigen EM antue, sehe ich zwar die Athletik und das Können der Protagonisten, aber interessant, geschweige denn mitreißend sind diese Spiele in der Regel nicht. Die Verteidigungsreihen sind einfach zu gut geworden. Damit bei mir nicht gähnende Langeweile aufkommt, läuft die Übertragung im Fernseher schon mal nur im Hintergrund, während ich parallel dazu „Freecell“ am PC spiele. Wenn sich die Stimme des Kommentators hebt, sehe ich noch früh genug das Tor oder die Chance dazu.  Aber, das ist nicht gut. Wenn ich nicht zu müde bin, schalte ich aus und übe stattdessen Gitarre, das ist besser. Zu der geringen Attraktivität der Spiele kommt dann auch noch jemand wie Bastian Schweinsteiger als Co-Kommentator. Er mag ja ein guter Spieler gewesen sein, als Redner und Analytiker der Spiele ist er alles andere als überzeugend: „Frage an unseren Experten: Bastian, wie schätzt du den bisherigen Spielverlauf ein? Ja, die ……….. spielen gut nach vorne und sind immer darauf aus ein Tor zu erzielen.“  Da hat er sich doch gut aus der Atmosphäre gezogen (H. Prohaska).

So viel zur EM, aber auch die Bundesliga hat von ihrer einstigen Faszination viel verloren. Nehmen wir als Beispiel Eintracht Frankfurt: Sie erkämpft sich den 5. Platz, und kann in einem internationalen Wettbewerb mitspielen und in der nächsten Saison steht einschließlich Trainer und Vorstand eine völlig neue Mannschaft auf dem Platz. Kann man sich damit noch identifizieren?

Letzte Meldung: Ausgerechnet nach Fertigstellung meines Artikels gab es tatsächlich zwei sehenswerte Spiele: Ungarn gegen Frankreich und Deutschland gegen Portugal. Ab und an hat man Glück.

Der Hellersberger Weiher

Natürlicherweise war und ist der Hellersberger Weiher ein sogenannter „Himmelsteich“. So bezeichnet man im Volksmund Teiche, die keinen unterirdischen Zulauf haben und nur durch Regenwasser gespeist werden. In seiner wechselvollen Geschichte musste der Weiher (nachweislich existiert er seit mehr als 400 Jahren) mal als Karpfenteich herhalten, mal wurde er von Landwirten trocken gelegt und sollte als Maisfeld dienen.  Dieter Porth, ehemaliger Vorsitzender des Fischerei- und Naturschutzvereins berichtete, dass die bereits verstorbene Christina Pollig von der Landespflegebehörde 1992 den Bau eines Krötentunnels  auf den Weg gebracht hat. Aus anderer Quelle heißt es, dass der Tunnelbau vom LBM (Landesbetrieb Mobilität) ausging, da er die Sicherheit der Autofahrer gefährdet sah. Durch die zahlreichen,  die Lettweiler Straße passierenden Kröten,  Frösche und Molche drohten Fahrzeuge aus der Kurve zu rutschen. Es gab damals viel Kritik an den vermeintlich hohen Kosten des Projekts. 246.000 Mark waren jedoch im Haushalt  für derartige Maßnahmen vorgesehen. Angesichts des derzeitig  exzessiven Artensterbens hat sich der Bau der Anlage aus heutiger Sicht gelohnt.

Genauso, wie der aufwändige Einsatz von u.a. den „Rüstigen Rentnern“, dem damaligen Bürgermeister Thomas Langguth und der oberen Naturschutzbehörde im Jahr 2008. Geo Donsbach (Odernheimer Natur- und Pressefotograf) fiel auf, dass der Teich regelmäßig zu wenig Wasser speicherte. Zu Recht vermutete man einen künstlichen Ablauf. Nach Abfischung des Weihers suchte man im metertiefen Schlick nach einem Abflussrohr, das dann tatsächlich in drei Meter Tiefe gefunden wurde. 300 Liter Wasser sollen dort stündlich abgeflossen sein. Mit schnell abbindendem Beton wurde der Graben verschlossen, die Drainage entfernt und auf diese Weise ein Naturschutzgebiet von hoher Bedeutung erhalten. Nicht nur Amphibien, wie Berg-, Kamm- und Teichmolch, Grasfrösche und Erdkröten haben hier ihren Lebensraum, auch Rohrweihen, Rotmilane,  Blesshühner und Graugänse sind hier u.a. zu beobachten.  Die Obere Naturschutzbehörde sprach damals allen beteiligten Helfern, die dort tagelang geschuftet hatten, ein großes Lob aus und ist auch weiterhin verantwortlich für regelmäßige Pflegemaßnahmen, die eine Verlandung des Gebiets verhindern sollen. Nährstoffeintrag aus der Bewirtschaftung der angrenzenden Agrarflächen ist u.a. eine Ursache.

Grandiose Konzerte am Hellersberger Weiher     Im Zuge der Corona-Lockerungen finden wieder erste Kulturveranstaltungen statt:

Jeder improvisiert und hat doch eine fest zugeordnete Rolle. In dem kurzen Ausschnitt der „Symphonie  Amphibie“  3. Satz (siehe unten) hört man deutlich die geschickte Aufteilung der Alt- und Sopranstimmen. Ein verspieltes Überlappen führt zu überbordender Polynotalität. Und kaum zu glauben, die Musiker gönnen sich keine Pause. Bis in den Hochsommer hinein kann man täglich den Konzerten beiwohnen. Logenplätze in der ersten Reihe sind regelmäßig frei.

Symphonie Amphibie (Ausschnitt 3. Satz)

Hubschrauberspritzungen am Stempelsberg — Problem gelöst?

Am 5. Juli letzten Jahres hatte ich in meinem Blog – unter der Überschrift „Meditation im Sprühnebel“ – über Hubschrauberspritzungen am Stempelsberg berichtet.  Es ging darum, auf die hochgiftigen chemischen Stoffe aufmerksam zu machen, die in den Odernheimer Wingerten aktuell wieder ausgebracht werden.

Scheinbar hat man nun eine schnelle, unbürokratische Lösung des Problems gefunden. Siehe Fotos!

Odernheimer Bauausschuss besichtigt den Spielplatz im „Äppelgraben“

1 Seilbahn, 2 Schaukeln und ein ausgeschlagenes Weidentipi

Vor ein paar Wochen traf der Bauausschuss des Ortsgemeinderats zur Besichtigung des `Spielplatzes am Äppelgraben´ zusammen, da etwa 4000 € im Haushalt für die Spielplätze Odernheims zur Verfügung stehen. In den letzten Jahren hat vor allem die Naturschutzbund-Kindergruppe (NABU) den Platz mit Leben gefüllt. Die Kinder, die seinerzeit mithilfe vieler ehrenamtlich engagierter Eltern u. a. ein Weidentipi (siehe rechts auf dem Foto) errichteten, sind inzwischen dem Spielplatzalter entwachsen und auch das Tipi ist in die Höhe geschossen. Es braucht Pflege. Das naturnahe Areal, das sich zwischen Maxdorf und Müggelheimer Str. wie ein Handtuch an den Hang schmiegt, bietet immerhin eine Seilbahn und zwei Schaukeln unterschiedlicher Art. Ein Kletterturm, der nicht mehr sicher war, wurde schon vor Jahren abgebaut und nicht mehr erneuert. Die eigentliche Attraktion ist jedoch der Heimelbach, der dort zurzeit munter Richtung Glan plätschert.

Kinder lieben es am Wasser zu spielen, kleine Staudämme mit Steinen zu errichten und mit Händen und Füßen in einem Bach zu plantschen.  In solchen Momenten sind sie mit sich und der Welt im Einklang. Was diese Attraktion angeht, ist der Äppelgraben-Spielplatz gegenüber den zwei anderen Spielplätzen konkurrenzlos. Einziges Manko: Das Gelände zum Bach fällt zum Teil sehr steil ab. Unverständlich in dem Zusammenhang ist das Entfernen von etlichen Bäumen (Erlen), die dort mit ihrem Wurzelwerk für Uferbefestigung sorgten. Jedenfalls muss überlegt werden, ob man die Risikoeinschätzung den spielenden Kindern überlässt oder aufwändig eine Absperrung installiert, die ja dann hoffentlich nicht den Zugang zum Bach verhindert.

Doch eine wichtige Grundlage aller Überlegungen darf natürlich nicht vergessen werden, bevor Gelder investiert werden: Wird dieser Spielplatz überhaupt ausreichend von Kindern genutzt???? Um dies abzuklären haben die Jugendlichen der NABU-Gruppe einen Fragebogen für die Kinder der Odernheimer Grundschule erstellt und verteilt. Es stellte sich heraus, dass den meisten Kindern der Spielplatz bekannt ist und sie auch wissen, wo er zu finden ist. Wie schon vermutet, schätzen sie das Spielen am und mit dem Wasser. Vermisst wird eine Klettergelegenheit. Dies sind erste Erkenntnisse aus der Befragung, eine genauere Auswertung der Fragebögen erfolgt noch.

Spielplatzkonzepte

In der Zeitschrift des Kinderschutzbundes  (KSA – Kinderschutz aktuell _Ausg. 3/20) berichtet J. Göres unter der Überschrift „Bauen, Buddeln, Matschen“  u.a. von der historischen Entwicklung der Spielplätze:  Dem dänischen Landschaftsarchitekten C.Th. Soerensen fiel schon in den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts auf, dass konventionell angelegte Spielplätze nicht so viel Anklang fanden wie beispielsweise Schrotthalden oder Trümmergrundstücke. Er sah, wie die Kinder herumliegendes Material kreativ zum Spielen nutzten. Es war für ihn Anlass 1943 den ersten „Gerümpelspielplatz“ zu verwirklichen. Später entwickelte sich daraus das Konzept des Abenteuerspielplatzes , das 1967 in Berlin, erstmals in Deutschland umgesetzt wurde und auch heute noch angesagt ist. Allerdings bieten viele aktuelle Spielplätze sehr wenig, was den kreativen Umgang mit Wasser, Erde, Sand, Matsch und anderen Materialien betrifft. Vor allem an Autobahnraststätten kann man eingezäunte, seelenlose, gummiüberzogene Spielareale sehen, die in erster Linie den Sicherheitsvorgaben und Versicherungsauflagen entsprechen wollen, sich aber viel zu wenig an den Bedürfnissen der Kinder orientieren.

„Die Welt der Kinder spiegelt sich aber eher in einer Baugrube als auf einem supersicheren, hyperstylischen Spielplatz wider.“ (Quelle KSA). Aber auch Eltern haben viel Einfluss, was die Nutzung von öffentlichen Spielplätzen betrifft. Ist es ihnen überhaupt recht, wenn Kinder mit Wasser und Erde matschen und entsprechend „verschmutzt“ heimkommen? Begrüßen sie es, wenn  sie dort fremden Kindern begegnen? Trauen sie ihren Kindern überhaupt den Weg zum Spielplatz zu? Ist das Gelände auch attraktiv für begleitende Eltern (Mehrgenerationen-Konzept)?  Ist es ihnen nicht lieber, wenn sie im eigenen Vorgarten Schaukel, Rutsche und Trampolin nutzen können?  Sind die Spielgeräte auf dem Spielplatz nicht zu risikoreich?

Draußen spielen — A und O für eine gesunde Entwicklung von Kindern

Im eingangs erwähnten Artikel wird folgende erschreckende Statistik angeführt: Noch in den 70er Jahren verbrachten Kinder zum Spielen mehr als 30 Stunden pro Woche draußen. Heute ist diese Zeit auf unter 10 Stunden gesunken. Es braucht nicht viel Fantasie sich vorzustellen,  wie diese Zeit heutzutage verbracht wird, mit dramatischen Folgen für die körperliche und seelische Gesundheit der Kinder. Corona-bedingt  hat sich diese Problematik zusätzlich verschärft. Es fehlt der Ausgleich zum Sitzen in der Schule, es fehlt das Gegengewicht zur medialen Überfrachtung. Aggressionen steigen, Eltern, LehrerInnen und ErzieherInnen beobachten  vermehrt Verhaltensstörungen, ADHS-Syndrome und sogar Depressionen. Deshalb mein Rat an die Eltern: Gebt den Kindern mehr Freiräume, lasst sie die Welt, vor allem die Natur entdecken. Ein Grundschulkind im Alter zwischen 6 und 10 Jahren muss noch nicht im Kino gewesen sein. Sparen sie sich die kilometerweite Reise ins Fantasialand, in den Europapark oder ähnliches mehr. Sie werden staunen wie spannend für Kinder ein Spaziergang im nahegelegenen Wald und wie erholsam er für einen selbst ist. Remo Largo, der kürzlich verstorbene Kinderarzt und wissenschaftliche Autor zahlreicher lesenswerter Erziehungsratgeber sagt, er habe noch nie erlebt, dass Kinder sich im Wald langweilen. Aus meiner beruflichen Tätigkeit als Erzieher im Kindergarten kann ich dies nur bestätigen.

Sogenannte Helikoptereltern, die sich inständig um die Erziehung ihrer Kinder bemühen, meinen es nur gut, doch vergessen sie häufig dabei, dass Selbstständigkeit sich nur vermittelt, wenn Kindern beispielsweise der Weg zur Schule oder zum Spielplatz zugetraut wird, ja, sie gewissen Risiken ausgesetzt werden. Für die Entwicklung von Selbstverantwortung und Eigenständigkeit ist dies unerlässlich. Zu viele Eltern vergessen dies oder halten die Ungewissheit, wenn ihre Kinder allein unterwegs sind, vor lauter Angst nicht aus. Zum Wohle der eigenen Kinder sollte man daran arbeiten. Die Sicherheit erhöht sich nicht, wenn jeder Schritt der Kinder mit den besten Intentionen begleitet wird. Selbst die Unfallkasse Rheinland–Pfalz schreibt in ihren Vorgaben für Kitas: Ständige Überwachung der Kinder ist nicht sinnvoll, „weil Kinder für eine gesunde Entwicklung Freiräume zum Ausprobieren und zum selbständigen Handeln haben müssen.“ Und wenn es eine Lehre aus den Corona-Zeiten gibt, dann die, das frische Luft, Bewegung und soziale Kontakte wichtiger sind als beispielsweise komplette Hausaufgaben. Und mit frischer Luft sind wir hier in Odernheim durchaus gesegnet.