Darth Vader ist gestorben

Entschuldigung, der Darsteller David Prowse ist tot. Sein Tod ist den Nachrichten im Radio eine halbminütige Meldung wert und auch  in der Zeitung wird der Darsteller des Star Wars-Bösewichts mit einem ausführlichen Artikel gewürdigt. In den Filmen trat er mit der bekannten schwarzen Maske auf und konnte deshalb mimisch seine Schauspielkunst nicht so richtig zeigen. Auch stimmlich ging das nicht, da Prowse mit einem starken englischen Akzent sprach und deshalb synchronisiert wurde. Bleibt noch, seine mächtige Statur zu erwähnen, die ihn für besagte Rolle prädestinierte. Angesichts dieser, für ambitionierte Schauspieler, ungünstigen Bedingungen hat es der Darth Vader-Darsteller weit gebracht. Einen Oscar für sein Lebenswerk halte ich deshalb für angemessen.

Interview mit Christina Dietz

Christina Dietz ist durch und durch ein „Urumer Mädel“. Im Kirchweg geboren, mit allen Odernheimer Traditionen groß geworden, ist sie bis heute mit ihrem Heimatort fest verwachsen. In zahlreichen Vereinen ist sie engagiert und auf etlichen Festen tritt sie mit der Odernheimer Band „Phönix“ oder solo als Sängerin auf. Beim Fußballverein SCO ist sie als Geschäftsführerin tätig.

Christina, du bist aktuell im Vorstand des Fußballvereins SCO. Wie kam es dazu

Also Fußball hab ich nicht wirklich gespielt, nur mal kurz als Bambini mit lauter Jungs und da hatte ich nicht wirklich Interesse dran. Aber 1983 wurde beim SCO zur normalen Fastnacht eine Kindersitzung veranstaltet und da mein Vater als Fußballer aktiv war, haben wir Fußballerkinder halt Tänze gemacht, Vorträge und zu Playback gesungen, und das war mein Highlight.

Also kam die Bindung zum Verein eher über die Fastnacht, als über den Fußball zustande?

Ja, genau. Wobei mir der SCO eigentlich insgesamt am Herzen liegt. Ich finde es ganz wichtig, dass es Leute gibt, die sich ehrenamtlich in den Vereinen engagieren, egal ob das im TVO, SCO oder in anderen Vereinen ist. Sie sorgen letztlich für den Fortbestand der Vereine. Viele machen sich gar keine Gedanken darüber, was es bedeutet so ein Ehrenamt wahrzunehmen. Man übernimmt eine Unmenge an Verantwortung, hat einen Wust an Schriftkram zu erledigen und steht nicht selten mit einem Bein im Gefängnis. Wurde man früher in den Vorstand gewählt,  gratulierte man einem, heute fragt man, ob man einen „Dollen“ gefunden hat, der ein Amt übernimmt. Vereinzelt sieht man noch Gesichter, die regelmäßig bereit stehen, wenn Engagement gefragt ist. Es werden aber immer weniger und ich habe Angst, dass uns diese kulturellen Dinge wegbrechen. Ich möchte und setz mich dafür ein, dass auch noch unsere Kinder diese Traditionen irgendwann übernehmen. Meinen Sohn Noah, der nächstes Jahr in die Schule kommt, nehme ich zu all den Veranstaltungen und Vorbereitungen mit, und er wächst von Grund auf in die Traditionen hinein.

Waren die Auftritte bei der Kinderfastnacht deine ersten Schritte auf der Bühne?

Ja, wie gesagt, das war in der Regel Playback. Man hatte ein Mikro in der Hand und musste eigentlich nur immer die Mundbewegung zu den Liedern machen. Trotzdem habe ich da gemerkt, dass mir das Singen unheimlich gut gefällt. Mein Vater hatte zuhause ein Tonbandgerät und ich habe z.B. selbst Radiosendungen moderiert. Lieder aus seiner Plattensammlung habe ich -ohne sie zu verstehen- auf Englisch mitgesungen. Gesangsunterricht habe ich nie gehabt und mir alles selbst beigebracht. Mit zunehmender Sicherheit auf der Bühne, habe ich mich gesanglich auch weiterentwickelt und singe unheimlich gerne, weil es mir einfach gut tut. Singen befreit.

Stehst du gerne auf der Bühne?

Ich bin schon eine „Rampensau“, wobei ich auch gerne hinter der Bühne stehe und organisiere. Wir hatten ja dieses Jahr das „Rasenplatz-Picknick“  auf dem Fußballfeld, was maßgeblich auch eine Idee von mir war. Nach den Corona bedingten Einschränkungen verzehrten sich die Leute ja nach Gemeinschaftserlebnissen. Auf abgezeichneten Parzellen konnte man in kleinen Gruppen und Familien seine Picknickutensilien auf dem Fußballrasen ausbreiten, während „Phönix“ aufspielte. Ein Golf-Cart fuhr von Platz zu Platz, bot Sangria und andere Getränke an. Den Hygieneauflagen war Genüge getan, und bei bestem Wetter genossen über zweihundert Besucher eine gelungene Sommerabendveranstaltung. Nach der Veranstaltung war ich fix und fertig, da ich mitorganisiert, mitgekocht und dann auch noch auf der Bühne gesungen habe. Aber es hatte sich gelohnt, und falls es sich nächstes Jahr ergibt, wollen wir die Veranstaltung wiederholen.

Trittst du noch mit anderen Musikern oder Bands auf?

Nein, nur mit „Phönix“. Seit zwei Jahren habe ich mich jedoch neben meiner hauptberuflichen Tätigkeit selbständig gemacht. Ich  trete als Eventsängerin zu unterschiedlichen Anlässen auf (Geburtstage, Hochzeiten, Firmenjubiläen, sogar Beerdigungen u.ä.m.) und kann als Sängerin gebucht werden. Aktuell liegt das natürlich brach.

Wie weit geht dein Gesangsrepertoire und hast du künstlerische Vorbilder?

Im  Wesentlichen ist das Popmusik. Bei der Musik, die ich höre, bin ich gar nicht so festgelegt. Ich mag deutschsprachige Musik, aber auch Klassisches oder jazzmäßige Musik. Ich bewundere Whitney Houston. Die hat mich sowohl gesanglich, als auch mit ihrer Ausstrahlung sehr beeindruckt.

 Vor drei Jahren hattest du beim KinO-Schlagerabend mitgewirkt!?

Schlager singe ich eher weniger, aber die KinO-Veranstaltungen sind auch immer schön. Ich war schon öfter dort, aber komischerweise sieht man dort nicht so viele Odernheimer und mit unseren Veranstaltungen sprechen wir auch nur eine bestimmte Klientel an. Aber Odernheim hat ja viele Vereine. Schützenverein, Fischerei- und Naturschutzverein, Kultur- und Verkehrsverein (auch dort ist Christina aktiv), Rüstige Rentner, um nur einige zu nennen. Der Tennisverein, wo ich von Kindheit an mitspiele, hat auch eine tolle Gemeinschaft mit etwa 40 Mitgliedern.

Um noch mal auf deine Verbindung zum SCO zu kommen: Ähnlich wie bei den DAX-Unternehmen ist es ja wohl auch eher eine Seltenheit, dass eine Frau im Vorstand eines Fußballvereins die Position einer Geschäftsführerin innehat?

Ja, das ist eine Seltenheit, aber ich habe nie irgendwelche Benachteiligungen erlebt und denke auch nicht so geschlechterspezifisch. Ich finde, wenn man in diesen Rollen denkt, dann beinhaltet es ja schon von vornherein etwas Diskriminierendes.

Wie lange machst du diesen Job schon?

Im Vorstand an sich, bin ich schon seit über 20 Jahren. Geschäftsführerin bin ich seit  5 Jahren

Zum Fußball selbst: Wie viele Fußballer kommen noch aus Odernheim?

Schätzungsweise ein Drittel der Spieler. Aber wir sind ja keine reine Odernheimer Mannschaft.  Zusammen mit Duchroth und Staudernheim bilden wir die Spielergemeinschaft: SG Disibodenberg. Der Rest der Mannschaft kommt auch überwiegend aus eben diesen Orten. Es ist nicht mehr leicht ausreichend viele Spieler zusammen zu bekommen. Es gibt so viele Konkurrenzangebote, um seine Freizeit auszufüllen. Das ist nicht mehr wie früher.

Dann werden die Spieler gekauft?

Nein

Verdienen die Spieler Geld, gibt es Torprämien? (Die 1. Mannschaft spielt in der Bezirksklasse A)

Nein, auch nicht. Allerdings seit wir einen Rasenplatz haben, ist es leichter Spieler nach Odernheim zu ziehen.

Christina, ich bedanke mich für das Gespräch.

Inas Nacht

Foto: Ina Müller homepage

Hiermit oute ich mich als Fan von Ina Müller und ihrer Talkshow „Inas Nacht“, die ja schon länger Kult ist und seit 2007 ausgestrahlt wird. (Zur Zeit kann man „Inas Nacht“ sporadisch im späten Nachtprogramm der ARD sehen, ansonsten sind viele Sendungen auf youtube oder in der Mediathek abrufbar.) Ina Müller hat es geschafft, alles Steife, was einem klassischen Talkshow-Format anhaftet, zu tilgen. Sie ist der Typ Frau, die kein Blatt vor den Mund nimmt und mit der viele Männer gerne Pferde stehlen würden. Sie bringt Bewegung ins Sprechgeschehen, wenn sie und ihre Gäste sich auf den Tresen setzen und ihre Beine von einer auf die andere Seite schwingen und dabei häufig über Sex plaudern. Unverkrampft wird mit dem Alkohol umgegangen, eigentlich genauso wie es in unserer Gesellschaft üblich ist. Sie beteiligt das Publikum, indem sie Fragen auf Bierdeckel schreiben lässt und sie dem Promigast zur Beantwortung vorliest. In der Regel werden die eingeladenen Promis gebeten ein Lied nach eigener Wahl vorzutragen, egal, ob man singen kann oder nicht. Und wenn mal der Ton nicht getroffen wird, ist das jenseits von peinlich und dient der zusätzlichen Unterhaltung. Getoppt wird das Ganze noch von hochkarätigen Sängern und Musikgruppen, die zur Halbzeit der Show ihren aktuellen Hit spielen. Häufig sind es neuere deutsche Gruppen, von denen ich vorher nie gehört habe, aber auch internationale Musiker, die sogar für den Auftritt von Amerika nach Hamburg jetten. In der Sendung entdecke ich neue Musik für mich und Anregungen, die mir das Radio versagt (seit Jahrzehnten die größten Hits aller Zeiten, ABBA und Smokie in Endlosschleifen). Nach dem musikalischen Auftritt kommt der zweite Gast, der sich zu dem ersten in die Bank zwängt und sich dort den Fragen stellt, die Ina Müller mit dickem Filzstift in einem Ringbuch notiert hat. In der Vor-Corona-Zeit gab es noch den Shanty-Chor, der -aufgrund der Enge der Kneipe- normalerweise draußen vor dem geöffneten  Fenster stand und jede lustige Wendung des Gesprächs spontan mit einem kurzen, aber kräftigen: „Witzig, witzig! Heute haben wir viel gelacht, denn wir sind bei Inas Nacht, ha ha ha ha ha, hey!“,[ gesanglich kommentierte. Das machte die Show ungemein lebendig, entsprechend werden die Shanties zur Zeit schmerzlich vermisst.

Für diejenigen, die diese Show nicht kennen, drei Beispiele hochkarätiger musikalischer Auftritte:

  • „Klammerblues“ von Ina Müller   https://www.youtube.com/watch?v=lAAGZgZ81EY
  • „Sure ain`t“ von Wilder Woods“   https://www.youtube.com/watch?v=nU56iQtsib0
  • „Zum Teilen bereit“ von Klan        https://www.youtube.com/watch?v=ad1jL_RqS1U

Zufällig hat Ina Müller -zeitlich passend zu meiner Huldigung- eine neue CD herausgebracht. In Anspielung auf ihr Alter ist der Titel „55“.

Plädoyer für eine neue Bestattungskultur im Zeichen des Klimawandels

Unsere Bestattungskultur hat sich in den letzten zehn, zwanzig Jahren spürbar gewandelt. Die hiesigen Friedhöfe sind traditionell geprägt von aufrecht stehenden Grabsteinen, eingefassten Beeten oder Grabplatten. Die Bepflanzung variiert, bevorzugt sind jedoch Pflanzen, die möglichst weniger Pflege bedürfen: Eriken, Astern, Stiefmütterchen u. ä.m. Manchmal entdeckt man sogar Plastikblumen. Dem gleichen Trend in puncto Pflegeleichtigkeit folgt – in Analogie zu den entsprechenden Vorgärten – das Schotterbeet. Auch in Odernheim, dessen Friedhof zum Teil vom alten Baumbestand profitiert, haben sie Einzug gehalten, ansonsten dominieren große Grabplatten aus polierten Importsteinen. Auch diese sind pflegeleicht. Früher demonstrierte man die Verbundenheit mit dem Verstorbenen durch regelmäßige Pflege der Grabstätte. Das passiert auch heute noch, doch der Glaube daran, auf diese Weise mit dem Verstorbenen in Kontakt treten zu können, hat sich gewandelt und viele verzichten inzwischen auf einen Grabstein, bevorzugen eine Feuerbestattung und lassen ihre Asche auf einem Wiesengrabfeld verstreuen. Vorbei scheint auch die Zeit der Mausoleen, in Stein gemeißelte aufwändige Schriftzüge, Reliefs und Statuen in Marmor, die vom irdischen Reichtum und Einfluss des Verstorbenen und seiner Nachfahren künden. „Vor Gott sind alle Menschen gleich“, heißt es zwar in der Bibel, aber so mancher Gläubige wollte doch über seinen Tod hinaus demonstrieren, dass auf der Erde andere Werte gelten. Insofern kann man die aus der Schweiz stammende Idee des „Friedwalds“ als Fortschritt begrüßen.

Beisetzung im Wald

Inzwischen haben sich Ruheforste und Friedwälder etabliert und bieten eine Alternative zur traditionellen Bestattung auf Friedhöfen. In Friedwäldern wird in der Regel ein vorhandener Wald genutzt. Rings um einen Baum sind nur Urnenbestattungen möglich. Es können bis zu zwölf biologisch abbaubare Urnen beigesetzt werden. Erdbestattungen sind nicht möglich, da man das Wurzelwerk des Baumes zu sehr schädigen würde. Zur Zeit gibt es in der Nähe drei Möglichkeiten sich in einem Wald bestatten zu lassen: Im „Ruheforst Rheinhessen-Nahe“ bei Waldalgesheim, im „Waldfriedhof Niederhausen“ an der Nahe und im „Ruheforst Hunsrück“ bei Niederhosenbach.

Klimawandel

Im Zeichen des Klimawandels und der weltweit durch Waldbrände und Abholzung teils drastisch reduzierten Waldfläche, plädiere ich für eine Weiterentwicklung der bestehenden Rituale: Warum nutzt man nicht gemeindeeigene Brachlandflächen oder andere geeignete Areale und pflanzt für jeden Verstorbenen, der sich dort beisetzen lässt, einen Baum? Die Verstorbenen könnten über ihr Leben hinaus Gutes tun (man erinnere sich an „Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland“). Neues Leben erwächst aus dem vergangenen. Ein Baum, aufs Grab gepflanzt, sorgt für Verbesserung des Klimas, benötigt nur geringen Pflegeaufwand und eine umweltfreundliche Erdbestattung -mit oder ohne Sarg- wäre auch möglich. Jedem Verstorbenen stünde ein Baum unverwechselbar zur Verfügung. Die übliche zeitliche Begrenzung einer Grabstätte würde entfallen. Auf diese Weise könnten theoretisch innerhalb kürzester Zeit ganze Forste neu entstehen und vorhandene Wälder in Ruhe gelassen werden.

Jüdische Friedhöfe als Vorbild

Da es nicht mit der Ökologie eines Waldes vereinbar wäre, ist es in Ruheforsten und Friedwäldern zurecht nicht erlaubt Blumen oder ähnliches ans Grab zu legen oder zu pflanzen. Dennoch ist es für viele Hinterbliebene ein Bedürfnis, ihrer Trauer Ausdruck zu verleihen. Nicht nur in diesem Zusammenhang könnte man Anleihen bei jüdischen Bestattungsritualen machen. https://www.gedenkseiten.de/magazin/bestattungsarten/juedische-bestattung/ Nach dem Besuch einer Grabstätte hinterlässt man einen Stein auf dem aufrecht stehenden Grabstein.

Jüdischer Friedhof bei Rehborn

Was spendet Trost?

Der Friedhof ist ein Ort der Trauer, kann bzw. sollte aber auch ein Ort des Trostes sein. Der Erfolg der Ruheforste und Friedwälder und das gewachsene Bedürfnis, sich in einem Wald begraben zu lassen, hängt meines Erachtens auch damit zusammen, dass der Wald mit seiner Natur auch ein Ort der Lebendigkeit ist: In einem Wald wird im ewigen Wechsel gestorben und neues Leben geboren, und dieses Wechselspiel hält den gesamten Organismus am Leben. Ein Baum bildet deshalb einen sinnvollen Gegenpol zum Sterben. Trauernde Angehörige können auf diese Weise Trost in einem Wald finden. Auch ein klassischer Friedhof kann das bieten. Es hängt jedoch von seiner Lage und von seiner Gestaltung ab. Setzt sich der aktuelle Trend zum Schottergrab zwischen Verbundpflasterwegen durch, dann wäre dies im sprichwörtlichen Sinne trostlos.

Herbsttag Rainer Maria Rilke

Es gehört, neben Hermann Hesses "Stufen", zu den Lieblingsgedichten der Deutschen. Einfach überwältigende Lyrik:

Herbsttag

Herr, es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren lass die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten, voll zu sein;
gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin, und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

Paris (1902)

Nachruf

Zwei Wochen vor seinem Tod bat ich Friedel Hartmann um ein Interview für den „Odernheimer Block“. Der gebürtige Odernheimer war für mich ein Phänomen und, was seine körperliche Fitness betraf, ein Vorbild für mich. Ich kann mich erinnern, dass er vor etwa zehn Jahren als Mitsiebziger an einem Volkslauf in Waldböckelheim teilnahm. Da er kein Auto fuhr, radelte er dort hin und nach absolviertem Lauf auch wieder zurück nach Odernheim.

Leider lehnte er das erhoffte Interview mit der Begründung ab, er wolle sich nicht so in den Vordergrund drängen, könne aber gern Geschichten aus vergangenen Tagen erzählen: Unter anderem von den Zeiten, als er beim TVO aktiver Turner und Leichtathlet und beim SCO auch fußballerisch tätig  war. Mit routinierter und verlässlicher Regelmäßigkeit absolvierte er über Jahrzehnte hinweg das alljährliche Sportabzeichen und brachte es sage und schreibe auf 40 erfolgreiche Wiederholungen. Bis zum Schluss blieb er sportlich unterwegs: Mit beinahe 86 Jahren ereilte ihn beim Joggen der überraschende Tod aufgrund Herzversagens. Selbst darin könnte er mir ein Vorbild sein. Viele Odernheimer betrauern den Verlust einer markanten Persönlichkeit. Meine Anteilnahme gilt den Angehörigen.

Efeu 2

Am 7. Juni hatte ich dem Efeu schon mal einen Beitrag gewidmet. Ein Spaziergang übers „Pädche“, dort wo man auch den Pulverturm besichtigen kann, gibt mir erneut Anlass über ihn zu berichten. Es war genau am 3. Oktober, als ein paar Strahlen wärmender Sonne auf eine efeubewachsene Mauer fielen. Der Efeu blühte. Bis zur ersten Blüte dauert es übrigens 8 bis 10 Jahre. So kann man nachvollziehen, dass dieser Moment für viele Insekten ein Fest ist.

Allein mein laienhafter Blick machte 8 verschiedene Insektenarten aus: Rosenkäfer, Hummel, Hornisse, Schmeißfliege, Wespe, Honigbiene, verschiedene Wildbienen, Marienkäfer und es dürften noch einige mehr gewesen sein.

Das ist nicht „iiiiiiiiiiiiiiiiiihhhhhhhhh“, das ist phantastisch.

Aus den bestäubten Blüten entwickeln sich kleine blaue Beeren, die für den Menschen giftig sind. Vielen Vögeln (Star, Rotkelchen, Amsel, Mönchsgrasmücke etc.) helfen sie über den Winter. Leider musste ich ein paar Schritte weiter feststellen, dass die einst prächtige Efeuhecke (siehe Fotos vorher – nachher) an der Rückwand eines anliegenden Gebäudes gerade entfernt wird. Für Insekten und Vögel ein herber Verlust an Lebensraum und Nahrungsquelle. Ähnlich erging es einer Hecke im Rosenweg. Trotzdem habe ich Verständnis für die Hausbesitzer, die die Bausubstanz ihres Gebäudes vor dem Verfall schützen möchten. Ich würde es möglicherweise ähnlich machen und trotzdem sollte man es nicht leichtfertig tun. Viele Tiere und auch wir Menschen brauchen die Insekten.

Zum Tag der Deutschen Einheit

Vor 30 Jahren wurde eine Linde zum Anlass der deutschen Wiedervereinigung auf dem Gelände des Kriegerdenkmals in der Bahnhofstraße Odernheims gepflanzt. Das ist schon lange her. Hehre Worte auf der damals angebrachten Erinnerungstafel sind schon halb verblasst und die Linde fiel einer Krankheit zum Opfer. Zu Beginn des Jahres wurde sie gefällt. Auch eine Art von Symbolik.

Soll das so bleiben oder wird diesen Herbst ein neuer Einheitsbaum gepflanzt?

Was sagen uns die Namen der Kindergärten? —— —— Vorsicht in der Kita „Lilliput“ ——-

Etwa ¾ der Rheinland-Pfälzischen Kitas haben einen Namen, der eher neutral gehalten und mit dem jeweiligen Ortsnamen verbunden ist, wie z.B. die  „Städtische Kita Bad Sobernheim“. Nicht so häufig werden Kindergärten und Kitas nach bekannten, bzw. verdienten Persönlichkeiten benannt. So gibt es in Wittlich beispielsweise den „Waldorfkindergarten Brüder Grimm“ oder die „Kita Hermann Rohloff“ in Bad Kreuznach, die einen Förderer und Sponsor der Einrichtung würdigt. Bei katholischen Einrichtungen stößt man häufiger auf Namen von Heiligen:  Kita St. Georg, Kita St.Nikolaus etc. Gemeinsam ist diesen Kitas, dass die Namensgebung der Erwachsenenwelt entspringt.

Mehr an der Kinderwelt orientiert sind Namen wie: Kita Pusteblume, – Zauberwald,  – Schatzinsel,       – Löwenzahn,  – Rappelkiste, – Räuberhöhle – Regenbogen(land), – Sonnengarten, – Wirbelwind, – Sausewind, – Luftikus. Mit diesen Namen orientiert man sich am magischen Denken der Kinder ab zwei Jahre, an einem gewissen Sprachwitz und einem für Kinder attraktiven Klangbild. Andere Kitas benutzen Bezeichnungen, die sich ebenfalls auf die Welt der Kinder beziehen, aber dennoch eine erwachsene Sicht auf die Kinder mitteilen. Namen wie Wichtelhaus, Krümeltreff, Wibbelstätz, Flohkiste, Eifelzwerge, Birkenbergstrolche, Mäusenest, Zwergenreich lassen Verniedlichungen erkennen. Die NamensgeberInnen geben zum Ausdruck, wie süß sie die Kinder empfinden. Liebevoll gemeint (Flohkiste, Wibbelstätz), schimmert auch schon mal durch, dass der Nachwuchs hin und wieder auch lästig sein kann. Hier könnte man kritisch anmerken, ob solche Namensgebungen noch zeitgemäß sind, wo es doch zunehmend darum geht Kindern mehr Rechte zuzugestehen, sie an Entscheidungsprozessen (Partizipation) zu beteiligen und sie in ihrer Art des Seins ernst zu nehmen.

Interessant in diesem Zusammenhang ist der Name der Odernheimer Kita: „Lilliput“. Vom Wortklang her orientiert sich der Name ebenfalls an den frühen Phasen des Sprachgebrauchs. Der Name ist dem Buch „Gullivers Reisen“ von Jonathan Swift (1720) entlehnt. Lilliput ist in dem gesellschaftskritischen Roman eine fiktive Insel, auf die es Gulliver nach einem Schiffbruch verschlägt. Als er erwacht, sieht sich Gulliver auf dem Boden gefesselt und in Ketten gelegt. Die nicht mehr als 6 Zoll großen Bewohner bringen ihm zu essen und zu trinken und ziehen ihn auf einem Holzrahmen durch die Stadt. Er wird darauf verpflichtet den Lilliputanern im Krieg gegen die Nachbarinsel beizustehen. Erst dann kommt er frei. Da er sich mehrerer Vergehen gegen die Sitten des Zwergenvolks verantworten muss, wollen ihn die Lilliputaner verhungern lassen und sein Skelett als Monument verwenden. Also liebe Eltern, Vorsicht beim Besuch der Odernheimer Kita. Auch den Erzieherinnen gilt mein Mitgefühl.

Was befindet sich wohl unter der Plane?

Anhang

So fantasievoll manchmal die Namen der Kitas sind, so verarmt ist der Sprachgebrauch bei der Bezeichnung der Angestellten. Verwaltungs-Deutsch hat sich durchgesetzt. Wie kann man einen so schönen, passenden Begriff wie „KindergärtnerIn“, durch „ErzieherIn“ oder „Fachkraft“ ersetzen? Der Kindergarten ist immerhin eine deutsche Erfindung (von Friedrich Fröbel 1840 ins Leben gerufen) und „Kindergarten“ ist deshalb in vielen Ländern u.a. in den USA ein feststehender Begriff.

Odernheim im September

zwischen Algenblühen und Alpenglühen

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