
Es war Samstagvormittag in Frankfurt am Main. Viele Menschen waren unterwegs. Mein Freund Rolf und ich waren schon einige Strecken gelaufen und hatten Lust auf eine Tasse Kaffee. Ganz in der Nähe des „Römer“, dem geschichtsträchtigen Rathaus im Zentrum Frankfurts, wurden wir fündig. Eine kleine Konditorei hatte zufällig zwei Stühle vor dem Ladengeschäft frei. Mein Freund Rolf sicherte die Plätze, während ich Kaffee besorgte. In der Auslage des kleinen Ladens gab es verlockende Pralinen, Törtchen und Teilchen, die mir jedoch zu teuer erschienen. Mit zwei Tassen Kaffee kam ich aus dem Laden und nahm Platz, während Touristengruppen, schoppende Familien und weitgehend entspannte Menschenmengen an uns vorbeigingen. U. a. kam mit dem Schwung an Leuten ein gut gekleideter, junger Mann auf unseren Tisch zu und blieb dort stehen. Mit einer Geste machte er uns deutlich, dass er Hunger hätte. „Ich habe noch zwei frisch belegte Brötchen mit“, erinnerte sich Rolf und kramte tatsächlich eine volle Tüte aus seinem Rucksack. Freigiebig bot er sie dem Hungernden an, der sich jedoch ob seines Hungers nicht auf die Brötchen stürzte, sondern seine Geste von vorhin wiederholte und dabei unmissverständlich auf die leckeren Auslagen im Fenster des Cafés deutete. Etwas irritiert, verstanden wir was er wollte. Wir erneuerten unser Brötchenangebot, dass für den jungen Mann jedoch nicht in Frage kam. Er ging weiter und verlor sich in der Menschenmenge.



















