Apokalypse, now!

Auch wenn ich mich gern der leichten Muse widme, habe ich momentan das Bedürfnis auch den deprimierten Anteil meiner Person zu Wort kommen zu lassen:

Der Mensch hat sich von seinen eigentlichen Lebensgrundlagen abgekapselt und weiß nichts mehr anzufangen mit der Natur, von der er eigentlich ein Teil ist. Science-Fiction-Filme belegen das. Von je her spielen die meisten Zukunftsszenarien vor dem Hintergrund einer technisierten Welt und faszinieren mit Raketen und kühn konstruierten Raumschiffen im Weltall. Futuristische Fahrzeuge, spitzfindige Waffen und Türen, die blitzschnell zur Seite aufgleiten und keine Scharniere nötig haben. Die Zukunftsentwürfe der Visionäre klammern dabei die Natur weitgehend aus, was so eine Art sich selbst erfüllende Prophezeiung darstellt. Wenn die Natur in diesen Filmen eine Rolle spielt, dann in Form von Katastrophen.

Mit derart gelenkter Wahrnehmung berauscht sich die Spezies Mensch an sich selbst und ihren „genialen“ Erfindungen auf dem Gebiet der Technik und vergisst dabei ihre Herkunft, Abhängigkeit und Vernetzung mit dem, was gläubige Christen „Schöpfung“ nennen. Nicht nur durch den weltweiten Temperaturanstieg werden zurzeit unsere sauerstoffspendenden Wälder vernichtet. Woanders ist es die Holzmafia oder es sind Kriege, bzw. deren Hinterlassenschaften aus längst vergangener Zeit. Selbst auf den Dörfern auf dem Land gehen galoppierend schnell Bäume, Pflanzen und Artenvielfalt ein und das mit aktiver Mithilfe der zukünftig Betroffenen. Ganz abgesehen vom Schmelzen der Gletscher, dem Sterben der Korallenriffe, den übermächtigen Flutkatastrophen, dem Tauen des Permafrostes, den abgehenden Muren im Gebirge und, und, und.

Entsprechend habe ich wenig Hoffnung, dass es die Menschheit schafft, sich auf der Erde zu erhalten.  Drei Gründe, die mich zu diesem Schluss kommen lassen:

Der Mensch urteilt und entscheidet häufig nicht rational. Er lässt sich primär durch seine Emotionen leiten, wie schon der englische Philosoph David Hume im 18. Jahrhudert festgestellt hat. Wie sonst kann man vor dem Hintergrund der Klimakatastrophe und seinen fatalen Folgen z.B. fordern: „Erhaltet den Verbrennungsmotor!“? Wie sonst kann man die in Bildern präsentierten gesundheitlichen Folgen des Rauchens an der Supermarktkasse ignorieren und sich mit Zigaretten eindecken? Nur auf Basis von Emotionen, die natürlich in der Werbung (Versprechen: Freiheit, Geschmack der weiten Welt) gezielt angesprochen werden, boomt beispielsweise der Verkauf von SUVs mit einem Verbrauch von über 10 Litern (Versprechen: leere Straßen, technische Perfektion). Wenn man genau hinschaut, ist das Gegenteil des Versprochenen wahr: Staus, Sucht, Gestank, Lärm, unentsorgbarer Müll. (Man hat sich halt versprochen).

  • Im Kapitalismus wird allerdings rational gehandelt. Doch dieses Handeln orientiert sich ausschließlich an der Gewinnmaximierung und taugt deshalb nicht dazu, die Welt für den Menschen zu retten. Mit dem kapitalistischen „Ich will mehr, gib mir mehr“ legen wir selbst die Säge an den Ast auf dem wir sitzen. Die Aussage: „Ohne die Wirtschaft und die Industrie werden wir es nicht schaffen in kurzer Zeit etwas an der derzeitig negativen Entwicklung zu ändern“ mag stimmen.  Wir werden aber auch nicht in der Lage sein etwas zu ändern, wenn wir der Industrie Priorität für den Verkauf aller möglichen umweltschädigenden, Ressourcen verbrauchenden Produkte einräumen. Es ist keine Lösung, wenn z.B. das Verkehrsministerium von Leuten wie Scheuer oder Wissing geführt wird, die sich als Lobbyisten der Autoindustrie verstehen oder das Landwirtschaftsministerium von DulderInnen (Klöckner) der gängigen chemischen Verseuchung von Böden oder ethisch verwerflicher Tierhaltungspraxis geführt wird. Wenn die Menschheit sich retten will, muss sie weg von den kapitalistischen Prinzipien! Eher heute als morgen! Doch was ist die Alternative?

In der Physik gibt es das Trägheitsprinzip:

Alle physikalischen Körper mit Masse sind träge, d.h. sie versuchen, ihren Bewegungs-  oder Ruhezustand beizubehalten.  

Dieses Trägheitsprinzip kann man durchaus auch auf den Menschen anwenden. Wir wehren uns gegen Veränderung und es braucht viel Energie und (zu viel) Zeit unsere Lebensentwürfe zu ändern und den Gegebenheiten anzupassen.

Dagegen wird es nicht lange dauern, bis wir erkennen, das verfügbares, sauberes Trinkwasser, gute Luftqualität und ausreichend natürliche Nahrung die Basis für ein auskömmliches Leben bedeuten. Wie es zurzeit aussieht, sind wir vehement dabei, diese Lebensgrundlagen zu verknappen, so dass es in absehbarer Zeit die neuen Luxusgüter sein werden. An die damit verbundenen Verteilungskämpfe mag ich gar nicht denken.                         

Und was hat das Ganze mit Odernheim zu tun? Wir unterliegen auch dem Trägheitsprinzip und ich wünsche mir, dass von politischer Seite (Ortsgemeinderat) viel mehr (Versiegelung stoppen, strengere Umweltauflagen für Neubaugebiete, Trinkwasserschutz (keine Pools), die neue Kita als Niedrig-Energie-Haus (keine Gasheizung), Naturschutzgebiete, Aufforstung, Wiese statt Rasen, Windkrafträder an geeigneten Orten – und nicht in Wäldern) unternommen wird. Die Hoffnung stirbt schließlich zuletzt.

Protestsong 1. Vers „Hey, ihr Menschen“

Uwe Seeler ist gestorben

Anfang der siebziger Jahre

Ich kenne keinen, der Uwe Seeler nicht mochte. Für mich als Kind war Uwe Seeler sehr früh ein Begriff. Seine Popularität zeigte sich auch in einem modifizierten Kinderreim, der eigentlich eher Bezug auf den ersten Weltkrieg nahm:

„Herr Meier kam geflogen auf einem Fass Benzin,

da dachten die Franzosen, es sei ein Zeppelin.

Sie luden die Kanonen, mit Sauerkraut und Speck

und schossen dem Herrn Meier die Unterhose weg.

Herr Meier musste landen auf einem Fußballplatz,

da schoss der Uwe Seeler ihm einen in die Fratz.“

Ich war vielleicht 5 Jahre alt und konnte das auswendig aufsagen. Besonders gut gefiel mir das mit der Unterhose und halt auch der Schuss vom Uwe Seeler. Gerne sah ich auch den Rasierwasser-Werbespot mit dem Fußballstar. Fröhlich „Im Frühtau zu Berge“ pfeifend, stellt Uwe fest, dass sein Rasierwasserfläschchen leer ist, was ihn aber nur kurz aus dem Konzept bringt, weil er ein weiteres volles im Schränkchen stehen hat.  https://www.youtube.com/watch?v=g9vULF_ZkcY

Nun hat sich „Uns Uwe“ mit 85 Jahren verabschiedet.

Urlaubszeit – Lesezeit?

Es  geht auf die Sommerferien zu, und für viele steht ein Urlaub an. Wenn man dann unter Umständen Stunden auf dem Flughafen verbringen muss, kann man natürlich auf dem Smartphone herumdaddeln oder aber das Lesen neu für sich entdecken. Denn Urlaubszeit ist auch Lesezeit, oder?

Ich habe zwei heiße Tipps dazu!

Wer kennt Ian McKewan? Wer kennt Haruki Murakami? Die meisten wahrscheinlich nicht. Höchste Zeit dies zu ändern. Ich habe bisher von beiden jeweils 4 Bücher gelesen und bin Fan beider Autoren. Der Brite Ian McKewan hat nahezu alles an Preisen für englischsprachige Literatur abgesahnt. Seine Art zu erzählen ist spannend, ohne dabei ein Krimiautor zu sein. Er kann wahnsinnig witzig sein und hat in seinem Buch „Solar“, eine Hauptfigur erschaffen, die bestimmt irgendwann im Film zu sehen sein wird. Obwohl schon 2010 erschienen, ist die Thematik des Buchs hoch aktuell. Sein Buch „Kindeswohl“ ist dagegen viel ernsthafter und ist das Beste, was ich in den letzten zehn Jahren gelesen habe.

Haruki Murakami ist Japaner und dort einer der erfolgreichsten Autoren der Gegenwart. Er vermittelt interessante Einblicke in die japanische Kultur. Im vergangenen Jahr wurde er als Kandidat für den Literaturnobelpreis gehandelt. Er hat einige Bücher mit Kurzgeschichten geschrieben, die gerne etwas skurril geraten. Dabei ist Murakami ein Meister im vermeiden von Klischees. Immer wieder ist er gut für überraschende Wendungen im Erzählverlauf. Auch er hat die Gabe den Leser(In) zum Lachen zu bringen. Ideale Urlaubslektüre, denn sein Schreiben wirkt spielerisch leicht. Sehr empfehlen kann ich die Romane „Naokos Lächeln“ und „Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki“.

Viel Spaß beim Lesen und schöne Ferien!

Die Wegwarte …

.. blüht von Juli bis Ende August immer nur vormittags. Sie bevorzugt Standorte an Straßen und Wegen, wo der Boden stark verdichtet,  ja gar steinig und fest ist. Was die Entstehung ihres Namens betrifft, gibt es eine Legende, die meine damalige Lehrerin in der Volksschule (heute: Grundschule) der Klasse erzählte:

Auf einem Volksfest lernten sich ein junger Mann und ein Mädchen kennen. Sie verliebten sich ganz innig und konnten gar nicht mehr voneinander lassen. Das Mädchen, dass wunderschöne blaue Augen hatte,  musste eines Tages erfahren, dass ihr Freund in den Krieg ziehen muss. Als der Tag kam, begleitete sie ihn noch ein Stück des Wegs. Sie küssten sich zum Abschied. Beim Gehen drehte sich der junge Mann noch einmal um, winkte und verschwand alsbald hinter der nächsten Wegbiegung. Das Mädchen aber stellte sich tagein, tagaus an den Wegrain und wartete darauf, dass ihr Freund aus dem Krieg zurückkehrt. Irgendwann wurden ihre Füße und Beine ganz steif und sie begannen sich immer tiefer zu verwurzeln. Während der Rest ihres Körpers langsam grau und staubig wurde, leuchteten ihre schönen blauen Augen wie zu ihren Lebzeiten und sind noch heute an vielen Wegrändern zu bewundern.

 Laien verwechseln die Wegwarte schon mal mit der Kornblume. Bei näherem Hinsehen erkennt man aber schnell den Unterschied. Sogenannte Röhrenblüten bei der Kornblume und Zungenblüten bei der Wegwarte.

Die Wegwarte gehört zu den Zichoriengewächsen und diente früher  – vor allem den armen Leuten –  als Kaffeeersatz. In so manchem Bioladen kann man Zichorienkaffee auch heute noch kaufen. Junge Triebe der Pflanze können auch zu Salat verarbeitet werden. Wie der Name schon vermuten lässt, besteht eine Verwandtschaft zum Chicorée.

Obwohl die Wegwarte ja steinige und verfestigte Böden liebt, sieht man sie komischerweise nicht in den angesagten Pflaster- und Schottergärten. Möglicherweise werden sie schon im frühen Wachstumsstadium chemisch oder mechanisch bekämpft. So versäumt manch HausbesitzerIn, von wunderschönen blauen Augen vormittags begrüßt zu werden.

Nee, ne ?

Anfang Juni stelle ich fest, ich brauche eine neue Hose für den Sommer. Eine Reise nach Bad Kreuznach und das Durchkämmen der Kleidergeschäfte führt nicht zum Erfolg. Also: Internet.

Ich werde nach relativ kurzer Suche fündig und bestelle eine Zipp-Hose mit Cargotaschen, inklusive Mückenabwehr und eingebautem Sonnenschutz. Prompt folgt auf meine Bestellung die Bestätigung per Mail. Auch meine Bestelldaten werden noch einmal mitgeteilt. Kurz darauf wird die Abbuchung des Kaufbetrags vom Finanzdienstleister bekannt gegeben. Am nächsten Tag bekomme ich die Meldung: Mein Bestellstatus lautet: In Bearbeitung. Wenig später erhalte ich eine Mail: „Danke, dass sie sich für den Kauf einer Hose bei uns entschieden haben“. Eine Rechnung befindet sich im Anhang. Danach folgt am nächsten Tag die: „Gute Nachricht“: Die Bestellung ist gepackt und macht sich auf den Weg. Versehen mit einer Trackingnummer, könne ich den Weg des Pakets verfolgen. Nahezu gleichzeitig vermeldet das Paketversandunternehmen das geplante Zustelldatum mit Kontrollnummer. Ein wenig verfrüht erhalte ich eine weitere Mail, in der man sich für den Kauf der Hose noch einmal bedankt und mich bittet eine Bewertung abzugeben. Und dann endlich, der Paketversand kündigt an:  Wir kommen heute! Obwohl ich es gar nicht so eilig hatte, freue ich mich. Neugierig öffne ich das sicher verpackte Päckchen und stelle fest: Die Hose passt nicht.

Hexenspucke und Kuckucksspeichel

Entlang des Glans und der Nahe säumen typischerweise Erlen und Weiden die Flussufer. Wie man unschwer erkennen kann, geht es den Weiden zurzeit nicht so gut. Spärlich beblättert, recken sie vermehrt trockene Äste über den Flusslauf.

Einen Hinweis auf die Ursache geben vermeintliche Regentropfen, die man schon mal bei sonnigem Wetter abbekommt. Früher hieß es dann eine Hexe habe gespuckt oder der Kuckuck wurde dafür verantwortlich gemacht. Heute weiß man,  dass kleine Schaumnester an den Zweigen der Knackweide dafür verantwortlich sind. Die Weidenschaumzikade zieht in diesem Gemisch aus Pflanzensaft und Exkrementabsonderung ihre Larven groß. Wenn auch nicht angenehm, giftig sind die Tropfen für den Menschen nicht. Manchmal ist der Befall der Zikaden so groß, dass sich große feuchte Flächen unter den Baumkronen ausbreiten.

Wie die Eichen, die vergangenes Jahr vom Prozessionsspinner heimgesucht wurden, werden auch die meisten Weiden den flächendeckenden Befall überstehen. Vor drei Jahren machte sich der Buchsbaumzünsler in vielen Gärten über den immergrünen Strauch her. Viele Vorgartenbesitzer entfernten daraufhin ihre Buchsbaumbüsche. Vielleicht etwas übereilt, denn jetzt grünen sie wieder und der Zünsler hat seine Population wieder auf Normalmaß zurückgeschraubt. Anfang der neunziger Jahre machte sich der Schwammspinner -vor allem im Donnersbergkreis-  über die Laubbäume her. Wenn man im Wald stehen blieb und lauschte, konnte man – leise knackend –  die Fressgeräusche der Raupen hören. Weite Teile der Wälder zeigten sich mitten im Sommer braun, so dass schon über den Einsatz von chemischen Mitteln diskutiert wurde. Doch der „Spuk“ war nach zwei Jahren vorbei und die Wälder regenerierten sich. Auch wenn so ein Insektenbefall durchaus natürlich sein kann, spielt der Klimawandel mit seinen ausgeprägten Trockenheitsphasen eine beschleunigende Rolle. Die Zikaden jedenfalls mögen die Trockenheit und weniger resistente Bäume recken dann gerippeartig ihre Äste in die Luft und gehen ein.

Schody

Zum Thema: Stairway/Stufen empfehle ich den 7 minütigen polnischen Kurzfilm aus dem Jahr 1968. Es lohnt sich.

ALTEISEN und ROMANTIK

Das Geld wird knapp. Zumindest geht es vielen so. Corona, und vor allem der Ukraine-Konflikt befeuern die Inflation, was die Preise von Energie und Lebensmitteln steigen lässt. Lieferengpässe und der Fachkräftemangel tun ihr Übriges.

Auch in den Straßen Odernheims ist es zu spüren. Symptomatisch rollen bimmelnd – phasenweise täglich –  die Pritschenwagen durch die Gassen und machen darauf aufmerksam, dass Alteisen eingesammelt wird. Und wenn dann noch ein originell phrasierter Ruf: „ALTEISEN!“ ertönt, fühlt man  sich schon mal in frühere Zeiten versetzt:

Ein Pritschenwagen auf Sammeltour im Rosenweg

Damals  kamen u. a. noch der Milch- und der Kohlenmann an die Türe, oder sie machten ebenfalls mit Glockengeläut auf sich aufmerksam.  Meine erste Schulfibel, mit der ich lesen lernte, gibt einen Einblick in die Berufswelt der frühen 60er Jahre:

Am besten gefiel mir der „Lumpensammler“, was seinerzeit mein Traumberuf war.  Aber was möglicherweise mit etwas Romantik wahrgenommen wird, zeugt eigentlich von finanziellen Nöten. Ich persönlich finde es gut, dass manch einer die Initiative ergreift und Metallschrott einsammelt, um ein paar Euro zu verdienen. Für die Anwohner ist das durchaus bequem. Unbrauchbar gewordene Metallreste lassen sich auf die Weise los werden, und man kann sich den Weg zum Wertstoffhof sparen. Der Entsorgungsbetrieb Geiss in Bad Kreuznach zahlt derzeit 300 € pro Tonne Alteisen, also 30 Cent pro Kilo. Klar, dass man damit nicht reich werden kann.  Der AWB (Abfallwirtschaftsbetrieb) in Bad Kreuznach sieht das private Sammeln jedoch nicht so gern, da ihm auf diese Weise Einnahmen entgehen. Metallschrott könnte theoretisch auch in der Restmülltonne entsorgt werden. Er würde dann auch aussortiert und recycelt werden. Waschmaschinen, Kühlschränke und ähnliches mehr gehören übrigens zum Elektroschrott und dürfen nicht vom Alteisenhändler entsorgt werden.

Frühling!

Bäume und Blumen blühen

Das Gras sprießt wie verrückt

Die Saison fürs Rasenmähen ist eröffnet!

Steckt nicht in jedem von uns ein Superheld?