Einsam zieht der Schwan auf dem Glan seine Bahn

Seit schätzungsweise zehn Jahren beherbergt Odernheim einen Höckerschwan auf dem Glan. Er ist ein Zugezogener. In der Zeit, als sich sogar eine Partnerin zu ihm gesellte, bekam er von engagierten Odernheimern den Namen Ludwig. Möglicherweise in Anlehnung an König Ludwig II. von Bayern, der sich das Schloss Neuschwanstein bauen ließ. Die Schwanenfrau wurde Felicitas genannt. Doch war den beiden kein Glück beschieden. Auch wenn es zur Brut kam und drei Junge schlüpften, hatte die Schwanenfamilie mit ständigen Widrigkeiten zu kämpfen. Gerade im ersten Brutjahr war der Glan stark von Paddlern frequentiert. Schwäne sind nachvollziehbar sehr aggressiv, wenn sie ihre Jungen beschützen. Die Wassertouristen reagierten entsprechend mit Schlägen ihrer Paddel, um den Angreifer zu  vertreiben. Es wurde sogar ein Schild aufgestellt mit der Bitte an die Paddler das Wehr an der Bannmühle weiträumig zu meiden. Es half leider nicht viel.

Ludwig

Ein weiteres Problem war die stark abfallende Uferböschung. Die jungen Schwäne kamen zwar ins Wasser hinein, waren aber kräftemäßig überfordert, um zurück zum Nest zu gelangen. Sie wurden dann schon mal im Gestrüpp des gegenüberliegenden Ufers gesichtet. Folge dieser fatalen Verkettungen war, dass die Jungen verendeten und auch Felicitas eines Tages tot am Ufer aufgefunden wurde. Seit dem fristet Ludwig ein einsames Dasein zwischen Bannmühlenwehr und dem Bereich an der Draisinenbrücke. Trotz allem scheint er sich so wohl zu fühlen, dass er nicht an Umzug denkt. Ich finde, er bereichert Odernheim mit seiner Anwesenheit. Ob seines Schicksals darf man Mitleid mit ihm haben, aber vielleicht verirrt sich ja irgendwann mal eine neue Schwänin nach Odernheim.

Vom Füttern würde ich übrigens absehen. Vor einiger Zeit las ich eine kurze Zeitungsnotiz, die von einem Schwan berichtete, der bei einem Start vom Wasser nicht genügend Höhe gewann (Schwäne gehören zu den schwersten flugfähigen Vögeln) und im Tiefflug einen Radfahrer vom Sattel holte. Wohlwollende Städter (über)fütterten dort regelmäßig Enten, Gänse und Schwäne.

Ich danke Berthold Schmidt für seine Informationen.

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