Wer ist der Künstler?

Ein unbekannter Künstler überrascht vor allem an der Glananlage immer wieder aufs Neue. (Der britische Aktionskünstler Banksy lässt grüßen.) In unregelmäßigen Abständen verändert er seine bekannten Waschbeton-Installationen und weiß Passanten und Spaziergänger jedesmal mit neuen Arrangements zu verblüffen. Einstigen versponnenen Ideen, die Glananlage z.B.  als Sandstrand, mit Bootsverleih und Restauration zu gestalten, erteilt er jedoch eine klare Absage. Zu der Zeit, als das Wasserrückhaltebecken gebaut wurde bevorzugte der Künstler eine Art Kolonnenstil. Zusammengerückt den möglichen Hochwassern trotzend, jedoch fein abgesetzt gegen die aufgelockerte, wenn nicht gar chaotische Präsentationsform im Hintergrund.  

Die Anordnung der Kübel, die darauf folgte, mag man als stringent bezeichnen. Man könnte sie möglicherweise auch als Schutzwall (vor dem Autoverkehr? vor dem Fremden?) interpretieren.

Mit der neuerlichen Gestaltung ist dem Künstler jedoch ein Kunstgriff gelungen, indem er eine unvermutete Verspieltheit zu erkennen gibt. Er lässt hier alte Zeiten anklingen, indem er an Kulissen eines Komödienstadels erinnert. Diese Wahl scheint er bewusst getroffen zu haben, denn er wird wissen, dass Odernheim einst zu Bayern gehörte. Und wer von den Älteren sehnt sich nicht zurück in die Zeit, als man sich noch gemeinsam, samstagabends in der Familie, frisch gebadet vor dem Fernseher amüsierte? Auffallend ist, dass der Künstler die Bepflanzung der Kübel gewollt sparsam in Szene gesetzt hat. Umso frappierender ist die Wirkung des blühenden Asternstrauchs, der an dieser Stelle eine gewisse Wehmut vermittelt. Der Künstler entlässt den Betrachter in einem Konglomerat widerstreitender Gefühle und man darf sehr gespannt sein, welch geniale Wendung dem geheimnisumwitterten Künstler (oder ist es gar eine Künstlerin? Gemunkelt wird, er/sie käme aus den Reihen der Ortsgemeinderatsmitglieder) als nächstes einfallen wird.

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