… wieder mit Tarzan tanzen.

Aufgehende Sonne.
Ich tauche prustend auf,
halte einen zappelnden Fisch
in meinen Händen.
Mein langes Haar
hängt triefend auf den Schultern.
Schaue der Sonne ins Gesicht,
ein breites Lachen durchflutet meinen Körper
und spiegelt sich in meinen klaren Augen.
Lasse den Fisch zurück in den Fluss springen
und sehe ihn glücklich in die Freiheit flitzen.
Nackt gehe ich ans Ufer,
trotz der Kühle ist mir köstlich warm, ja heiß.
Sonnenstrahlen glitzern in den Wassertropfen
auf meinem muskulösen Körper.
Ich beginne zu laufen.
Im Wald überflutet mich
– mit einem Schwall –
das morgendliche Vogelgezwitscher.
Mein großes Herz
macht Riesensprünge vor Glück.

Dann traf ich einen Missionar,
nicht nackt, aber in weißer Tracht.
Er war sehr freundlich,
bis er mir, von hinten kommend,
einen Wattebausch
mit betäubenden Dämpfen
unter die Nase presste.

Nach einer schrecklichen Nacht
find ich mich wieder
am Rande einer Autobahn.
Mit schleppendem Schritt
gehe ich vorwärts.
In wahnwitzigem Tempo
schießen Autos an mir vorbei.
Mein graumelierter Anzug ist verstaubt.
Eine Krawatte würgt mich am Hals.
Der dröhnende Krach, die Abgase
verursachen mir Kopfschmerzen.
In einer Seitentasche des Jacketts
finde ich ein Döschen mit Pillen.
Ich schlucke zwei.
Plattfüßig schleppe ich mich weiter.
Noch drei Kilometer,
eine Raststätte.
Zwei Dosen Bier,
noch zwei Pillen hinterher.
In der Kantine eine Quizsendung im Fernsehen.
Krumm und schlaff
sitze ich auf einem Plastikhocker,
schaue hoch zum Flimmerbild,
kotze in mich hinein.
Ein mattes Grau bleibt auf den Augen zurück.
Ich schwanke nach draußen,
stolpere über einen Tankschlauch
in einen Ölmatschgraben,
voller Plastikflaschen und zerschlissener Gummireifen.
Abendlicher Berufsverkehr,
jedes vorbeibrausende Auto
lässt mein Herz verkrampfen,
 
ich wollt`, ich könnt` wieder mit Tarzan tanzen.
 
 
Autorin unbekannt

 

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