Die Zeit, das war gestern.

Wenn der Kirchturm symbolisch für das Dorf steht, ist Odernheim dann:

aus der Zeit gefallen ?

zeitlos schön ?

der Zeit hinterher ?

oder gar der Zeit voraus ?

Nach Auskunft des Pfarrers Dietmar Schultz-Klinkenberg wird das Uhrwerk zur Zeit in Calw überholt, und soll im Laufe des Frühjahrs wieder seinen gewohnten Dienst versehen.

2 Antworten auf „Die Zeit, das war gestern.“

  1. Lieber Benno,
    klasse, dass du die fehlenden Uhrzeiger auf dem Kirchturm gleich zu einem existentiellen Thema beförderst…..
    Ich war auch mehrmals irritiert, als ich nichts erkennen konnte und nicht wusste, wie spät es jetzt eigentlich ist….und dann aber auch merkte, dass es vielleicht jetzt gar nicht so wichtig ist, wie spät es ist……ich muss sowieso gleich mit der Kollegin telefonieren…..die Zeit spielt genau genommen keine Rolle.
    In diesem Sinne würde ich deine Fragen zur Zeit um eine These ergänzen:
    Der wichtigste Moment in meinem Leben ist jetzt…..und der ist zeitlos!
    Gute Nacht, Simonsen

  2. mittlerweile ist ja alles wieder beim ganz Alten. Das Alte war ja, dass die Uhr nicht mehr ging. Mit fällt dazu die Szene aus dem Prolog des Kaiser Octavianus von Ludwig Tieck ein:

    Ein Küster tritt auf.
    Da hab‘ ich nun auf weiten Wegen
    Hin und zurücke reisen müssen.
    Das ist mir herzlich ungelegen,
    Denn meine Beine müssen’s büßen.
    Und alles aus dem dummen Grunde,
    Weil unsre Uhr nicht richtig geht,
    So daß sie immer eine Stunde
    Nach dreien Stunden stille steht.
    Das Dach ist nicht ganz regendichte,
    Und immer scheut das Dorf die Kosten,
    Das macht die Uhr nun ganz zunichte,
    Denn Werk und alle Räder rosten.
    Kommt in Tumult drauf die Gemeine
    Und alle machen groß Geschrei,
    Es ist zwölf Uhr, so ruft der eine,
    Der andre schwört, es sei schon drei.
    Die Einheit fehlt dem ganzen Werke,
    Es läuft nun gegen alle Regel,
    Und keiner ist’s, der sich nicht merke,
    Denn jedes Beichtkind wird zum Flegel.
    Man kann nun nicht zu rechten Zeiten
    Die liebe Kinderlehre halten,
    Mit Sicherheit die Glocken läuten
    Da sich die Dinge so gestalten.
    Die Ordnung ist nun auch begraben,
    Und alles schwimmt in Anarchie,
    Und bis auf die Currende-Knaben,
    Lebt jeder wie das liebe Vieh.
    Doch ist die Uhr nur erst im Stande,
    Und das geschieht in kurzer Frist,
    So weiß doch jedermann im Lande,
    Woran er mit sich selber ist.
    1. Reisende.
    Das ist gewiß, nichts in der ganzen Welt
    Geht über eine recht honette Uhr.
    Warum? Man weiß dann stets in jeder Stunde,
    Wie viel die Glocke eigentlich geschlagen.
    Man ißt dann nicht zu spät und nicht zu früh,
    Legt sich gesetzt zur rechten Zeit zu Bette,
    Treibt das Studieren niemals über Macht,
    Und da das Leben aus der Zeit besteht,
    So muß man auch beständig darnach sehn,
    Wie viel es an der Zeit ist in der Welt.
    2. Reisende.
    Ach! und dann das dumpfe Läuten,
    Das vom Kirchhof schön herüber
    Einem kann soviel bedeuten,
    Nichts auf Erden ist mir lieber.
    Und die ernsten Glockenschläge
    In der stillen Mitternacht,
    Machen alles Grausen rege
    Wenn ich grade noch gewacht.
    Nie möcht‘ ich die Uhren missen,
    Und auf meinen weiten Gängen
    Will ich allenthalben wissen,
    Wo doch wohl die Glocken hängen.

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