Interview mit Christoph Kaul

Foto z. Verfg. gestellt von Chr. Kaul

Dirigent und Musikalischer Leiter des Disibodenberg-Blasorchesters Odernheim.

Der Hallgartener Christoph Kaul ist 37 Jahre alt, verheiratet und hat zwei Kinder. Vor zehn Jahren hat er die Leitung des Disibodenberg-Blasorchesters Odernheim  (DBO) übernommen und die Qualität des Orchesters stetig weiterentwickelt. Mit regelmäßigen Auftritten zu Anlässen wie z.B. St. Martin oder dem Weihnachtsmarkt, aber auch mit abendfüllenden Konzerten in der Turnhalle oder Kirche, tragen er und sein Orchester maßgeblich zum kulturellen Leben Odernheims bei. Und auch außerhalb der Gemeinde erfreut sich das Orchester mittlerweile steigender Beliebtheit.

Herr Kaul, wie gehen sie mit der „Corona-Unterbrechung“ um? Vergangenen Mittwoch haben wir erstmals wieder geprobt, draußen auf dem Dorfplatz. Ich kann aber keine großen Ziele ausrufen, da bis Ende Oktober alles abgesagt wurde. Eigentlich hätten wir gern mein 10jähriges Jubiläum mit einem tollen Frühjahrskonzert feiern wollen, ich fürchte aber, dass wir bis Jahresende nicht mehr groß zum Einsatz kommen werden.

Wie kam die Verbindung mit dem DBO zustande? Jürgen Beyer, mein Vorgänger, hat das Orchester mehrere Jahre geleitet und u.a. durch Einbeziehung und Ausbildung ganzer Familien zahlenmäßig aufgebaut. Er war zu dieser Zeit Kreisdirigent und hatte mich im Rahmen eines Lehrgangs beim Kreismusikverband angesprochen. Er verpflichtete mich dort als Dozent und fragte, ob ich nicht das DBO übernehmen wolle. Damals hatte ich gerade mein Studium beendet.

Sie haben Musik studiert? Ja, ich habe an der Musikhochschule Mannheim Klarinette studiert und war zuvor zwei Jahre als Musiker bei der Bundeswehr in Karlsruhe.

Sie sind hauptberuflich Musiker? Ja, neben den Orchestern in Odernheim und Hallgarten unterrichte ich jede Woche knapp 70 Instrumental-Schüler, z.T. in Gruppen bis zu fünf SchülerInnen. Ich musiziere zwar sehr gern, aber das Unterrichten war für mich schon immer mehr als nur eine Alternative zum eigenen Spiel. Aus dem Grund habe ich auch den Studiengang des Instrumentallehrers belegt. Und man kann durchaus sagen, dass ich mein Hobby zum Beruf gemacht habe.

Spielen Sie selbst auch in einer Band oder einem Orchester? Nein. Da fehlt einfach die Zeit dafür. Mit den zwei Vereinen, den SchülerInnen, denen man gerecht werden möchte und den Auftritten ist das nicht möglich. Aushilfsweise spiele ich schon mal, beispielsweise beim Landespolizeiorchester Hessen mit, das ist aber nicht regelmäßig.

Wie viele MusikerInnen sind derzeit im DBO aktiv? Zwischen 35 und 40. Ich kann erfreulicherweise sagen, dass ich auf einen relativ soliden Grundstock von gut 25 MusikerInnen sehr verlässlich zählen kann. Im Jugendorchester und der Musikausbildung sind es nochmal 12 SchülerInnen, die noch nicht im großen Orchester mitspielen. Hier sind wir stets bestrebt, neuen Nachwuchs (müssen nicht zwangsläufig Kinder sein!) zu bekommen und freuen uns über alle, die bei uns ein Instrument lernen möchten.

Wo sind die eigenen Vorlieben, was die Musik betrifft? Das ist schwierig zu beantworten, weil ich eigentlich sehr vielen Musikrichtungen erstmal offen gegenüberstehe und diese auch verfolge. Ich mag die Rock-Pop Klassiker genauso wie eine klassische Symphonie, verfolge mit Interesse die Neueinspielungen im ganzen Klarinetten-Repertoire, höre aber auch gerne Bigband–Aufnahmen aus der goldenen Swing-Ära oder traditionelle Blasmusik. Hier beachte ich auch die vielen neuen Formationen, die derzeit besonders im süddeutschen und österreichischen Raum aus dem Boden sprießen: Zum Beispiel LaBrassbanda oder eine Blechformation, die sich Mnozil-Brass nennt und sich musikalisch auf allerhöchstem Niveau bewegt, gepaart mit unglaublich viel Show. Da bleibt einem selbst als gestandener Musiker manchmal der Atem weg.

Bei dem Stichwort „Show“ – welche Rolle spielt die Optik bei Konzerten des DBO? Eher eine untergeordnete Rolle, aber nicht, weil es nicht gewollt ist, sondern weil wir musikalisch und vom Schwierigkeitsgrad her oft an der Grenze des für uns Möglichen arbeiten und da bleibt wenig Kapazität, um da groß Show zu machen. Wir haben aber immer mal wieder kleine Bewegungselemente reingebracht, und ich sage auch häufiger, dass man sich auf der Bühne im positiven Sinne auch mal zum Affen machen muss.

Mir als Zuschauer fehlt bei vielen Blasorchestern der optische Reiz, von daher hat die Art, wie sich ein Dirigent bewegt schon eine Bedeutung für die Präsentation auf der Bühne. Ich finde ihre tänzerischen Bewegungen beim Dirigieren geben dem Auftritt eine zusätzliche Qualität. Wobei das in keiner Weise aufgesetzt ist, das kommt einfach so, und trotzdem bin ich mir sicher, dass die Bewegung auch das Orchester ein Stück weit mitreißen kann.

Das DBO hat eine beachtliche Spannbreite von Polka, klassischer Blasmusik, Latin-Pop, Rock usw. in seinem Repertoire. Mir ist bei einem Konzert eine gewisse Diskrepanz zwischen dem Outfit (siehe Gruppenfoto) und dem Liedgut aufgefallen. Wie bekommt man, die an Schützenvereinstracht erinnernde Uniform unter einen Hut mit „Born to be wild“?

„Born to be wild“ Foto zur Verfügung gestellt vom DBO

Ich bin ja in erster Linie für die Musik zuständig und wir haben einen Vorstand, der über solche Sachen befindet. Aber ganz klar gesagt: Mich persönlich stört das in keinster Weise. Eine Uniform steht für die Tradition und die Herkunft eines Vereins. Sie ist auch heutzutage noch ein Identifikationsmerkmal, was die Vereinszugehörigkeit betrifft.  Und ich bin mir ziemlich sicher, dass im Festzelt bei den Schützenvereinen auch mal „Born to be wild gespielt“ wird.

Was sind die Ziele, die Sie sich mit dem DBO gesetzt haben? Die Anzahl der personellen Besetzung und natürlich die musikalische Qualität möchte ich gerne weiter steigern, wobei mir klar ist, dass es nicht immer steil bergauf gehen kann. Das Orchester muss aber in seiner Struktur so gefestigt sein, damit uns kleine Rückschläge nicht gleich aus der Bahn werfen. Die zurückliegenden Jahre waren sehr geprägt von der umfassenden Probenarbeit mit dem ganzen Orchester.  Um nun mehr im Detail Verbesserungen zu erzielen, möchte ich in Zukunft gerne mehr Registerproben einführen.

Steht man in Konkurrenz zu den anderen Blasorchestern der Region? Man guckt natürlich mit Interesse, was die Vereine in der Umgebung machen, aber ich würde nie das Ziel ausgeben, wir müssen jetzt besser als die oder die sein. Je mehr gute Orchester es gibt, umso erfreulicher ist das für die Region. Egal auf welchem Anforderungsniveau wir uns bewegen, das, was wir an Musik spielen, muss immer gut sein. Das ist mein Anspruch.

Herr Kaul, ich bedanke mich für das Gespräch und wünsche Ihnen und dem Orchester weiterhin viel Erfolg. Das Gespräch führte B. Gennies am 17.06.2020

Link zur DBO-Homepage: http://www.disibodenberger.de/

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